Schulwechsel– Ja oder Nein?

Anfang des Jahres 2017 gab es Unruhen in der Stufe Vertiefen, weil sich eine Gruppe von Schülern ernsthaft mit einem Schulwechsel befassten.
Drei dieser Jugendlichen verließen letztendlich die Freie Schule Lindau und gingen an andere Schulen.
Uns interessierten die Beweggründe und zwei der Schülerinnen stellten sich unseren Fragen.
Eine weitere gab Einblick in ihr 10 Jahre Schulerleben, berichtete dabei ebenfalls von Wechselgedanken, was sie bewog zu bleiben - und wie sie rückblickend darüber denkt.

 

Hallo, mein Name ist Anna Burtscher, ich bin seit der ersten Klasse in der Freien Schule Lindau und hatte in der Stufe Vertiefen unvermutet große Zweifel an der Schule, an der Pädagogik, an allem. Das führte schlussendlich dazu, dass ich die Schule wechselte und nach 2 Monaten doch wieder an die Freie Schule Lindau zurückkam. Wenn dich mehr interessiert, lies gerne weiter:

Anna, du bist seit einiger Zeit wieder an der FSL Schülerin, hast gerade erfolgreich deinen FSL-Abschluss präsentiert und bist nun im Begriff, in die Stufe Weitergehen zu wechseln. Bis hierhin gab es aber einige Turbulenzen. Wann hat denn dein Hinterfragen der Schule begonnen, wie haben sich deine Zweifel geäußert?

Anna: Die ersten Überlegungen begannen ungefähr Ende Herbst 2016. Angestoßen hatte das Ganze eine Freundin, die sich sehr mit ihrer inneren Unruhe, bezogen auf die Schule, auseinandersetzte. Dadurch, dass wir so eng waren, wurde dieses Thema innerhalb des Freundeskreises immer häufiger besprochen und ich bemerkte irgendwann, dass mich ihre Unsicherheit sehr zum Nachdenken brachte.

Kannst du diesen Prozess etwas genauer beschreiben?

Anna: Nun, mir wurde bewusst, dass ich mich vor einiger Zeit auch schon mit ähnlichen Gedanken ertappte, diese aber nicht wirklich ernst genommen hatte. Es war ja schön auf der Schule und so gab ich diesen Gefühlen keine große Bedeutung. Als wir uns aber mit den Wünschen von der Freundin beschäftigten, da fiel mir das wieder ein und ich bemerkte, dass sie manches aussprach, was ich auch in mir spürte.

Was genau wurde dir denn klar?

Anna: Auch ich spürte, dass mir ein Vergleich fehlte. Wie stand es wirklich um meine Fähigkeiten, meine fachlichen Leistungen? Wir haben keine Noten, die diesen Vergleich möglich machen. Gleichzeitig spürte ich eine Art Verschleiß. 8 Jahre das Gleiche - ich spürte so eine Lust, Neues kennenzulernen. Neue Lehrer, neue Art des Unterrichtes, auch neue Schüler - obwohl ich meine Freunde über alles schätze.  

Wann genau und eventuell auch mit welchen Gesprächspartnern wurde dir bewusst, dass du bereit warst für einen Schulwechsel?

Anna: Mit meiner Mutter habe ich am meisten gesprochen und da wurde mir auch klar, dass ich in den Noten einen Vergleich suchte, wie ich zu anderen Schülern, anderen Schulen außerhalb der FSL stand. Innerhalb der FSL konnte ich mich gut einordnen, hier gab es immer eine gute Rückmeldung, auch über die IzELs - aber, reichte das für draußen? Klingt komisch, aber so fühlte ich das. Ich wollte wissen, ob ich auf einer anders geführten Schule ebenfalls bestehen könnte. Natürlich habe ich auch mit den Lehrern gesprochen, auch mit Sabine - und alle Gespräche halfen mir zu der Entscheidung, den Wechsel wagen zu wollen. Wir meldeten uns in Amtzell für eine Wochenhospitation und im Anschluss wechselte ich dann die Schule. 

Was war anders auf dieser Schule, was hat dir gut getan und was hat dir letztendlich gefehlt, so dass du wiederum nach 2 Monaten zurück gewechselt hast?

Anna: Dort gab es Unterricht in Fächern aufgeteilt und ein Lehrer unterrichtete. Darauf konnte ich mich gut einlassen. Mir hat dabei vor allem gefallen, dass man zu einer bestimmten Uhrzeit mit dem Unterricht begann und auch wieder endete. Das war eine klare Unterrichtsstruktur, die ich sehr genossen habe. Generell empfand ich manche Ordnungsstrukturen für mich hilfreich, so z. B. Ordner in den jeweiligen Fächern. Dieses Prinzip habe ich jetzt in der FSL übernommen, denn das hilft mir, besser zu lernen. Ich habe für mich gemerkt, dass mir an manchen Stellen Struktur Sicherheit gibt - klare Regeln, klare Fächer mit klaren Lerninhalten, klares Ordnungssystem. Das hat mich früher nicht interessiert. 

Zurückgekommen bin ich letztendlich, weil sich an der neuen Schule nicht wirklich Wesentliches  zur FSL unterschieden hat, ich aber extrem Zeit-aufwendige Hin- und Rückfahrten hatte und dadurch kaum mehr Freizeit. Ich habe meine Freunde vermisst, die ich kaum mehr treffen konnte. Es gab letztendlich zu wenig Veränderung, als dass ich diese Nachteile länger in Kauf nehmen wollte. Gut war, dass ich selbst in diesen 2 Monaten bemerken durfte, dass ich fachlich ziemlich gut mithalten konnte. Jetzt bin ich wieder froh, an der FSL zu sein. Meine Freunde haben mich mit offenen Armen empfangen und ich sehe nun dem nächsten Schuljahr mit der ersten staatlichen Prüfung gespannt aber auch gelassener entgegen. Alles in allem war es eine wertvolle Erfahrung für mich.

Danke Anna für das offene Gespräch und viel Glück für deinen weiteren Weg.

 

Hallo, mein Name ist Ramona Walser, ich bin 16 Jahre alt, seit 10 Jahren an der Freien Schule Lindau, habe den mittlere Reifeabschluss erfolgreich absolviert - und wenn du wissen möchtest, mit welchen Eindrücken ich die Schule verlasse lies hier weiter:

Ramona, du bist 10 Jahre auf dieser Schule gewesen, mit welchem Gefühl verlässt du nun die Freie Schule Lindau?

Ramona: Mit zwei starken Gefühlen: Einerseits mit großer Vorfreude auf das Neue, die neue Schule, neues Konzept, neue Schüler, neue Lehrer. Ich freue mich vor allem auf eine Art Anonymität in der Schule, da es dort an die 5000 Schüler gibt. Das ist absolut neu für mich, ein aufregender weiterer Lebensabschnitt. Andrerseits auch traurig, weil mir bewusst wird, dass die längste Phase meines Lebens - diese 10 Jahre Schulzeit an einem Ort - nun vorbei sind. Meine Freunde, die Schule, das habe ich tagtäglich erlebt. Das ist wirklich wie ein familiäres Gefühl. In der Schule wurde ich geschätzt, wurde ich wahrgenommen. Die Schule war für mich immer ein sicherer Platz, ein Ort, an dem ich ein gutes Gefühl hatte, mich aufgehoben gefühlt habe. Auch mit den Lehrern war das meist ein vertrautes Miteinander, einfach cool. Das war lange Zeit selbstverständlich, jetzt wird es mir bewusst. Andrerseits, die Aussicht, mich nicht mehr verantwortlich fühlen zu müssen, nicht mehr kümmern... einfach nur Schülerin zu sein und mich ausschließlich auf das Lernen zu konzentrieren, darauf freue ich mich auch.

Verantwortlich fühlen, kümmern um... wie meinst du das?

Ramona: In der Freien Schule geht es schon sehr stark um ein sich einbringen, mitarbeiten. Man muss als Schüler selbstverständlich bei Festen anwesend sein und auch seinen Teil dazu beitragen. Wir organisierten Feiern wie Ausflüge mit oder z. T. auch eigenständig. Wir waren verantwortlich dafür, die Abschlussfahrten mitzufinanzieren, indem wir durch Nebenjobs Gelder für die Klassenkasse erwirtschafteten. Wir waren aber auch aufgerufen bei Schulplanungsseminaren oder bei der Mitarbeit in Gremien. Dadurch haben wir viel erfahren, eben auch über die jeweiligen Probleme der Schule: ob nun die Finanzkrise, oder Lehrermangel, auch Schulleiterprobleme. Das hat mich zeitenweise belastet. Im Nachhinein gesehen aber auch bereichert. Dass wir an der Schulentwicklung tatsächlich mitwirken durften ist natürlich auch eine große Chance, aus der ich viel gelernt habe. Nun in eine Schule zu kommen, bei der nahezu alles in Bahnen läuft, vorgegeben ist erscheint mir im ersten Moment angenehm. Ob ich das Mitreden und Mitbestimmen irgendwann vermissen werde weiß ich jetzt noch nicht. Wird spannend.

Wenn du sonst noch rückblickend auf die Jahre in und um die Schule denkst, was fällt dir dazu ein?

Ramona: Spontan fällt mir ein, dass ich relativ oft diese Schulform erklären musste. Ob  in den Praktika,  bei Vorstellungsgesprächen,  bei Schülern aus anderen Schulen... Nicht selten begegnete ich dabei Vorurteilen: Die einen meinten, dass man an dieser Schule nichts lernt, die anderen sprachen von einer Schule für Reiche - eine Privatschule, andere zweifeln jetzt sogar meinen staatlichen Schulabschluss an. Manchmal war ich still, manchmal musste ich aufklären, denn es ist ein Teil von meinem Leben. Als ich jünger war hat mich das oft verunsichert, jetzt kann ich souveräner damit umgehen. 

War das mit ein Grund, dass in dir zu Beginn der Stufe Vertiefen Schulwechselideen aufkamen?

Ramona: Das weiß ich gar nicht. Es ging eher um Freunde, die mir so begeistert von der Walddorfschule berichteten. Dann wechselten auch noch FSL-Freunde auf diese Schule und ich wollte unbedingt hospitieren dort. Es entstand das Bewusstsein, dass ich keine andere Schulform als die FSL kannte, dass zwar alle Erwachsenen immer von dieser wunderbaren Chance sprachen, aber mir fehlte der Vergleich. Ich wusste ja nicht wirklich, wie es auf einer staatlichen Schule verlief, wie auf der Walddorfschule. Meine Eltern und auch Sabine, die Schulleitung versuchten Hospitationen an anderen Schulen zu organisieren, aber diese Schulen wollten sich zum damaligen Zeitpunkt nicht darauf einlassen. Heute bin ich heilfroh, dass ich nicht gewechselt habe, denn ich habe unglaublich viel neben den Lernfächern gelernt an der FSL, war glücklich hier.

Was genau hast du gelernt, kannst du das benennen?

Ramona: Schwer, weil ich glaube, dass mir das alles erst bewusst wird, wenn ich andere Schulen erlebe. Sicher diese ganz besondere Zusammengehörigkeit mit meiner Gruppe in Weitergehen. Mein Selbstvertrauen, die Spontanität - das ist gewachsen in Situationen, die viel mit Wechsel zu tun hatten, mit Veränderung. Ich habe gelernt, mit Krisensituationen umzugehen: kann oft die richtigen Fragen stelle, um Unterstützung zu bekommen.  Habe kennengelernt, dass man nicht immer allein eine Lösung finden muss, Hilfe annehmen darf. 

Tatsächlich habe ich auch gelernt zu lernen: als ich mir das Ziel Quali und MSA gesteckt habe wusste ich, dass ich Einsatz bringen muss. Und das hat funktioniert. Keiner hat mir Druck gemacht - ich wollte die Prüfungen gut machen, und das habe ich geschafft. Darauf bin ich stolz, natürlich auf die Noten, aber auch darauf, dass ich spüre, dass ich bereit bin, für meine Ziele erfolgreich zu arbeiten. 

Zum Schluss, was wünscht du der Freien Schule für die Zukunft und was wünscht du dir für deine weitere Zukunft?

Ramona: Für die Freie Schule wünsche ich mir, dass sie noch verstärkter Lernstrategien im Schulalltag einfließen lässt. Dabei meine ich keine strikten Lernmethoden, sondern so Dinge wie "Angebote für Motivation", "innovative Lernstrategien" - mehr Art of Hosting, d. h. mehr Angebote in Gesprächskultur. Sowas gibt es sicher auch in Lernkultur - neue Wege. Vor allem wünsche ich ihr das Engagement der Eltern und Schüler, die nun an der Schule sind. Es gehen schon sehr aktive Kids und auch Eltern - und da mache ich mir ein wenig Gedanken, wie das weitergeht. Für mich wünsche ich mir vor allem einen guten neuen Klassenzusammenhalt, dass es keine Ausgrenzungen gibt, ein gutes Klassenklima. Das ist mir im Grunde am wichtigsten. Das mit dem Lernen, da kann ich selber viel tun, das wird schon. Ja, das menschliche ist mir im Moment am wichtigsten. 

Dann wünschen wir dir für die Zukunft, dass deine Wünsche in Erfüllung gehen und jetzt erst mal schöne Ferien. Danke für das Gespräch.

 

 

 

Mein Name ist Valerie Schaugg, ich bin 13 Jahre alt und vor 4 Monaten von der Freien Schule Lindau an die Mittelschule Kressbronn gewechselt. Wenn du die Gründe wissen möchtest dann lies hier weiter:

 Hallo Valerie. Danke, dass du dich den Fragen zu deinem Schulwechsel stellst. Uns interessiert natürlich als erstes, warum du in eine staatliche Mittelschule gewechselt hast.

Valerie: Als ich in die Stufe Vertiefen kam bemerkte ich, dass ich immer weniger Lust auf Lernen hatte. Vor allem das selbstständige Lernen ermüdete mich, ich verlor immer mehr den Antrieb, bis ich stellenweise gar nichts mehr machte. Darüber war ich letztendlich aber auch nicht zufrieden. Als meine Freundinnen über ihre Schulzweifel zu diskutieren begannen, eine davon dann auch ganz klar ihren Schulwechselwunsch ausdrückte, da spürte ich, dass das auch mein Weg sein könnte.

Welche Zweifel habt ihr denn konkret besprochen und benannt?

Valerie: Uns allen ging es ähnlich mit den Rückmeldungen in Bezug auf unseren Lernstand. An der FSL erlebten wir Gespräche über die fachlichen Leistungen, über die IzELs wurden wir über ein Punktesystem beurteilt. Aber, mir hat das wenig gesagt. Wenn ich z. B. von 40 Punkten 21 erreichte, dann wusste ich zwar, dass mir 19 Punkte fehlten - ich wusste dann, dass ich ein Basiswissen hatte und kein Experte war, aber mir fehlte hier die Klarheit. Was sollte ich damit anfangen? Wir hatten alle plötzlich das Gefühl, dass hier Noten mehr aussagen würden. Bei einer drei z. B. weiß ich, dass ich aufpassen muss, dass ich konzentrierter und eventuell auch kontinuierlicher drann bleiben möchte, um nicht den Anschluss zu verlieren. Gleichzeitig wollten wir einen Vergleich mit den staatlichen Schulen, um wirklich einschätzen zu können, wo genau jede von uns stand.

Um ehrlich zu sein, ich bemerkte an mir selber, dass mir die Art der FSL zuwenig Motivation gab, mich selber für die jeweiligen Aufgabenstellung zu interessieren. Es passierte ja nicht wirklich etwas, wenn ich nur das Allernötigste tat.

Wenn ich da richtig hinhöre heißt das, dass du einen Ansporn von außen gesucht hast, vielleicht sogar Druck über Noten z. B., um gezielt an den jeweiligen Aufgaben zu bleiben. Das ist interessant, denn genau das wollten wir Eltern euch eigentlich ersparen.

Valerie: Ja, ich weiß, das hört sich komisch an, aber genau so ist es. Ich merke jetzt, dass ich tatsächlich Noten und auch die Gefahr, Sitzenzubleiben, all diese Konsequenzen als Antrieb zum Lernen brauche - und dass es mir dann sogar Spaß macht. Das war auch nicht immer so, das hat sich erst in der Stufe Ankommen so entwickelt.

Wie empfandest du denn die FSL mit ihrer Pädagogik zuvor?

Valerie: Ich habe bis Ende der Stufe Erweitern, genaugenommen beim Wechsel 6. in 7. Klasse viel Freude in der Schule gehabt. Die Projektarbeit, das fächerübergreifende Lernen, auch die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten wie Tanz, Theater, Sprache und die Ausflüge haben Spaß gemacht - ich hatte immer Zeit für meine Freunde, meine Interessen und das habe ich alles sehr genossen. Aber in der Stufe Vertiefen entwickelte sich der Wunsch nach Abwechslung: ich persönlich finde die Altersdurchmischung von der 7. bis zur 9. Klasse wenig gelungen. Es hat mich, ehrlich gesagt, oft genervt, wenn wir immer wieder auf die Jüngeren Rücksicht nehmen mussten, weil sie für uns bereits Bekanntes zum wiederholten Male erklärt bekamen.

Du bist nun seit 4 Monaten ungefähr an der staatlichen Mittelschule in Kressbronn. Welche Unterschiede stellst du fest und wie gehst du damit um?

Valerie: Wie schon erwähnt, gefällt mir, dass wir alle im gleichen Alter sind in der Klasse - wir haben ähnliche Interessen und Gesprächsthemen. Was mir sehr auffällt ist das Verhalten der meisten Schüler an der neuen Schule. Sie sind sehr viel schneller genervt oder sogar aggressiv, diskutieren nicht sondern lösen ihre Probleme eher mit Schlägereien. Das kenne ich von der Freien Schule so gut wie gar nicht. Daran merke ich, dass ich sehr viel Sozialverhalten gelernt habe in der FSL, wie man respektvoll miteinander umgeht und auch Konflikte friedlich löst. In der FSL habe ich selten erlebt, dass man jemanden auslacht wegen seiner Schwächen, sondern wir wurden angehalten, uns gegenseitig zu unterstützen. Ich spüre auch einen deutlichen Unterschied im Selbstbewusstsein und Auftreten - da bin ich der FSL schon sehr dankbar. Mich schreckt aber dieser Umgang miteinander hier nicht ab, die meisten Schüler sind zu mir sehr nett, vielleicht weil auch ich ihnen gegenüber respektvoll bin. Spannend finde ich, dass wir im genauen Stundentakt verschiedene Fächer und somit auch verschiedene Lehrer haben. Diese Struktur gefällt mir, ich will wissen, ob ich gerade Biologie oder Chemie unterrichtet bekomme. Gewöhnen musste ich mich erst einmal daran, in Reihen zu sitzen, zu strecken, dass die meiste Zeit der Lehrer redet und an der Tafel oder am Projektor steht, aber da habe ich mich sehr schnell eingelebt.

Und wie sieht es mit den Lehrern und dem Umgang mit ihnen aus?

Valerie: Die Lehrer sind hier sehr schnell konsequent, wenn jemand ständig stört. Der Schüler wird dann einfach aus dem Klassenzimmer geworfen. Ich finde das wohltuend, denn mich haben oft die Diskussionen mit störenden Kids an der FSL genervt. Die bekamen meiner Meinung nach zuviel Aufmerksamkeit während diejenigen, die mitarbeiten wollten das Nachsehen hatten. Es ist für mich auch positiv, dass wir die Lehrer Siezen. Das Du bedeutet für mich zuwenig Distanz, denn der Lehrer ist nicht mein Freund. Und, diese Verbindung suche ich auch nicht. Für mich zählt in erster Linie die Unterstützung beim Lernen und das Erreichen meiner schulischen Ziele.

Im Moment kann ich sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle - in den meisten Schulfächern komme ich gut mit, in Chemie und Biologie fehlt mir Grundwissen. Aber, das ist klar, weil die Schüler diese Fächer schon längere Zeit unterrichtet bekamen. Hier unterstützt mich die Lehrerin, so dass ich gut nachlernen kann.

Aus all dem entnehme ich, dass du einen Rückwechsel in die FSL ausschließt, oder?

Valerie: Der Weg zurück ist für mich kein Thema. Ich freue mich, nach den Schulferien die erste staatliche Prüfung zu machen und danach werde ich die mittlere Reife absolvieren. Die neuen Freunde hier sind mir mittlerweile auch wichtig - und meine alten FSL-Freunde sind mir erhalten geblieben. Gerne komme ich noch in die Freie Schule für Feste, war dort bei den FSL-Abschluss-Präsentationen. Das ist immer schön und vertraut - und es freut mich, dass mich alle so herzlich begrüßen. Ich glaube, ich habe für mich alles richtig gemacht.

Danke Valerie, für deine Offenheit und viel Glück für deinen weiteren Weg.