Fragen an Eltern, welche die Schule verlassen:

10 Jahre FSL: mit welchen Gedanken verlasst ihr als Eltern diese Schule?

  • "Ich verlasse nach 12 Jahren FSL diese Schule mit einem dankbaren Gefühl. Obwohl es immer wieder Wechsel der pädagogischen Ausrichtung, Personalwechsel und Änderungen der Klassenzusammenstellungen gab, stellte sich für mich als Mutter trotzdem nie die Frage, meine Kinder auf eine andere Schule zu geben. Mir war von Anfang an klar, dass die FSL eine Schule im Aufbau war und somit nicht auf Erfahrungen zurückgreifen konnte."

  • "Traurig und stolz und bereit."

  • "Nun sind es nur noch wenige Tage für uns als Eltern an dieser Schule. Ich muss sagen, dass mich am Anfang dieses letzten Schuljahres schon manchmal etwas Wehmut überkam. Inzwischen aber überwiegt die Freude auf den nächsten Schritt, die nächste Schule, welche es auch sein wird. Es ist nach 10 Jahren einfach Zeit für etwas Neues. Als wir damals an die Schule kamen, gab es noch viel Bewegung, viele Richtungsdiskussionen. Und ich habe mir manches Mal gedacht, wie friedlich doch eine Elterninitiative ohne Eltern wäre. Mitgliederversammlungen, auf denen es hoch her ging, Tränen, Abstimmungen nach 1 Uhr in der Nacht, endlose Diskussionen – all das können sich viele der Eltern, die heute an die Schule kommen, vermutlich gar nicht vorstellen. Mehrere Krisen folgten im Laufe der letzten 10 Jahre. Und stets habe ich die Eltern bewundert, die als Vorstände in diesen turbulenten Phasen Verantwortung übernommen haben. Aber – auch wenn es häufig nervig war – vermutlich waren es genau diese unruhigen Zeiten, die uns immer wieder bewusst machten, dass diese Schule nicht selbstverständlich ist. Und das ist es auch, was mir nun etwas Sorgen bereitet: Dass vielen Eltern, die diese turbulente Anfangszeit nicht miterlebt haben, vielleicht gar nicht bewusst ist, dass sie als Gestalter der Schule gebraucht werden, dass dies keine Schule ist, die andere für sie machen. Dass sie gebraucht werden, gerade jetzt, wo wieder eine Reihe Eltern die Schule verlassen, die sie jahrelang aktiv mitgestaltet haben."

  • "Im Moment: glücklich-erfüllt-erleichtert. Glücklich, weil wir uns mit unserer Tochter freuen, weil sie ihr sich selber gestecktes Endziel erreicht hat - somit ihr weiterer Wunschweg möglich ist. Erfüllt, weil wir erleben durften, dass sie 8 Jahre eine wunderbare Schulzeit hatte ohne Notendruck, ohne permanente Zusatzaufgaben wie Hausaufgaben, ohne das Reduziert werden auf Ergebnisse von Klassenarbeiten - sie stets Zeit hatte für ihre Hobbies wie Reiten, Tanzen, Freunde; in den beiden Prüfungsklassen durch gute Struktur und gute Begleitung durch die Lehrer den Wechsel von der bislang erlebten Tagesstruktur hin zur Prüfungsvorbereitung gut einordnen und umsetzen konnte. Erleichtert, weil wir im Nachhinein sagen, wie wunderbar unsere Entscheidung vor 10 Jahren war. Sie hat tatsächlich gelernt, selbstständig und in Eigenverantwortung zu lernen; sie hatte Zeit für ihre persönliche Entwicklung, die durchaus auch durch Reibung mit Lehrern oder Mitschülern geschah; sie hat über ihr persönliches Ziel hinaus immer wieder gesellschaftspolitisches Interesse und Engagement entwickelt, indem sie für die Schule, für politische Entscheidungen, für andere Menschen einzusetzen bereit war und ist. Vor allem, sie ist zu einer selbstbewussten, selbstbestimmten jungen Dame herangewachsen, klar in ihrer Meinungsäußerung, frei und lebensfroh. Ob sich das an einer anderen Schule auch so gezeigt hätte? You`ll never know!"

  • "Ja, wie fast man 10 Jahre Bewegtheit zusammen? Erstmal war unsere Grundüberzeugung diesen Weg mit der Schule zu gehen nie in Frage gestellt. Wir gingen mit allen Höhen und Tiefen und die Tiefen haben uns stärker gemacht so wie auch unsere Tochter. Dessen das Camilla jetzt diesen Weg weiter so bestreiten kann wie sie gewählt hat ( Bodensee Gymnasium) hat viel mit dem Wachstum und der Persönlichen Reife zu tun die die Schule ihr ermöglicht hat. Wertvoll war auch das letzte Jahr mit Andreas und Anne die im Blick mit der Abschluss Herausforderung versucht haben unser Schulkonzept in Balance zu halten, womit wir unsere tiefste Dankbarkeit aussprechen wollen."

  • Mit Wehmut. Die FSL mit den Menschen groß und klein wurde zu einem Stück Heimat. Ein Trost ist, dass sich über die Jahre einige Freundschaften entwickelten, die weiter bestehen werden.

  • "1,5 Jahre FSL - für meinen Sohn glücklicherweise die beste Wahl. Sehr sehr schade, dass es keine Oberstufe gibt. Die Zeit an der Freien Schule hat meinem Kind Kraft gegeben. Er hat tolle Freunde gefunden."

  • "Ja!!!!!!! es war die richtige Schule für uns und unsere Kinder, zum Glück haben wir uns dafür entschieden, es war sehr intensiv, persönlich, Horizont erweiternd, bereichernd. Auch als Eltern verlassen wir diese Schule wie unsere Kinder: mit vielen neuen Freunden und der Gewissheit fürs Leben gelernt zu haben."

  • "Wir sind dankbar und zufrieden. Dankbar dafür, dass unsere Kinder eine gute Schulzeit erleben durften, die mit all ihren Höhen und Tiefen dazu beigetragen hat, dass sie in ihrer Entwicklung reifen konnten. Sie haben gelernt, selbständig zu denken und sich für sich selbst verantwortlich zu fühlen. Nun freuen wir uns auf Neues und wissen jetzt schon, dass wir den Kontakt zu „unserer“ Schule halten werden. Denn sie macht einen wichtigen Teil unseres Lebens aus."

  Was empfandet ihr als besonders wertvoll in dieser Zeit?

  • "Ich bin froh, dass meine Kinder in dieser Schule in ihrem eigenen Tempo und in einer angenehmen Umgebung lernen konnten, sie in ihrem Wesen gesehen wurden und sie einen starken Zusammenhalt und Verbundenheit der Schüler untereinander erleben durften. Keine Hausaufgaben und Prüfungen und das Nicht-nach-dem-Notensystem-Bewerten war für mich sehr wertvoll."

  • "Das Kind der Entwicklung zu sehen. Wie selbstbewußt, selbstorganisiert, verantwortlich für sich und andere, und vor allen Dingen glücklich es war. Die Freunde, sein Umkreis….da mußte man sich nie Sorgen machen."

  • "Wir haben uns seinerzeit für die FSL entschieden, weil wir uns unseren Mattia einfach nicht an einer Regelschule vorstellen konnten. Er war sehr zurückhaltend, häufig ängstlich. Er beschäftigte sich sehr früh allein, aber stets mit Dingen, die er sich selbst aussuchte ...Und die Entwicklung Mattias in den letzten 10 Jahren gab uns viele Male Recht. Bereits in der ersten Jahrgangsstufe arbeitete er an selbst gewählten Projekten, präsentierte seine Ergebnisse. Von Jahr zu Jahr wurde er selbstbewusster, weniger ängstlich. Ein unglaubliches Erlebnis war die Präsentation des FSL-Abschlussprojekts. Dass dieser souveräne Jugendliche da auf der Bühne unser Mattia sein sollte – es war kaum zu glauben. Und die letzte Bestätigung brachten die MSA-Prüfungen: Mattia schnitt in den mündlichen Prüfungen deutlich besser ab als in den schriftlichen! Einen überzeugenden Beleg für die positive Entwicklung, die Kinder an dieser Schule nehmen können, kann ich mir kaum vorstellen. Und diese Souveränität im Auftreten und Präsentieren – das ist etwas Unbezahlbares, das unser Kind auf seinem weiteren Weg helfen wird. Das ist etwas, das mehr zählt als auswendiggelernte Faktenberge."

  • Als erstes die wunderbaren, aktiven Menschen rund um und in der Schule, denen wir begegnen durften. Ob es sich um zeitweilige Begegnungen handelte, oder Freundschaften daraus wurden - beides war und bleibt bereichernd. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Entwicklung unserer Tochter, die wir mitbegleiten durften. Wertvoll waren die vielen Gespräche mit Personen aus dem Team, aus den Gremien, der Schulleitung - die uns immer wieder zeigten, dass wir am richtigen Platz sind. Wunderbar die Projektpräsentationen, die Aufführungen, der FSL-Abschluss, die Aktionen der Schüler begleitet von ihren Lehrern, die uns Eltern zum richtigen Zeitpunkt klar machten, auf welch vielfältige Weise unsere Tochter Lernen erfahren durfte, eben auch tatsächlich mit Spaß. Nicht missen möchte ich aber auch Erlebnisse, die im Moment sehr fordernd oder gar herausfordernd waren, die keine schnelle Lösung zuließen... diese Prozesse, die wir sowohl als Eltern als auch als Verantwortliche für die Schulentwicklung durchlebten waren besonders wertvoll, denn sie zeigten immer wieder, dass im Miteinander scheinbar oft Unmögliches möglich wird. Nicht selten ganz anders als gedacht, aber möglicherweise genau deswegen richtig und gut. Wertvoll auch die Erlebnisse, die kein erwünscht gutes Ende fanden, die keine gute Lösung für alle Beteiligten ermöglichte, mit denen man sich selber viel auseinandersetzen musste - sie waren ein unschätzbares Angebot, sich selber wahrzunehmen, weiterzulernen, im besten Falle zu wachsen.

  • "Besonders wertvoll Empfanden wir auch die persönlichen und sehr verbindenden Gesprächen mit den Pädagogen immer im Blick auf das Kind, Was ein wenig verloren ging war die wirkliche individuelle Förderung des Einzelnen, was aber für uns im nachhinein sich jetzt zeigt, das ein anderer Schritt ansteht."

  • "Dass die Kinder immer in Beziehung waren zu den Pädagogen, dass die Pädagogen immer das Kind in all seinen Stärken und Schwächen liebevoll im Blick hatten und mit uns Eltern eine Erziehungspartnerschaft pflegten. Im Nachhinein kann ich sagen, es ist ganz egal, ob das Kind ein halbes Jahr früher oder später schreiben lernt, solange es einen Raum hat indem es sich liebevoll angenommen fühlt."
  • "Der Umgang miteinander, die Wahrnehmung und Wertschätzung des Gegenübers. Kein Vergleich zu anderen Schulen. Glückwunsch, danke und weiter so!"

  • "Die Möglichkeit mitreden und vor allem mitgestalten zu können. Zu wissen dass unseren Kindern auf Augenhöhe begegnet wird. Unsere Kinder kamen jeden Tag nach Hause mit dem Satz mir geht es gut."

  • "Besonders wertvoll war für uns, dass sich unsere Kinder an der Schule wohlgefühlt haben. Das große persönliche Engagement verschiedener Pädagogen hat dazu geführt, dass so viel an Lernen, Erfahren und Erleben möglich war. Die Freundschaften, die unsere Kinder über die gesamte Schulzeit begleitet haben, und auch Freundschaften unter uns Eltern sind sehr wichtig und bereichernd für unsere Familie und bleiben sicherlich über die Zeit an der FSL hinaus bestehen. Das Gemeinschaftsgefühl an der FSL ist etwas Besonderes: Besonders schön und manchmal auch besonders anstrengend, wenn um Kompromisse oder neue Wege gerungen wird. Es ist für uns positiv gewesen, dass wir uns stets tatkräftig einbringen konnten und auch Dinge bewirkt haben."  

Hattet ihr Momente des Zweifels - wenn ja, welche? Was oder wer hat euch über diese Zweifel hinweggetragen?

  • "Momente des Zweifels, ob die FSL die richtige Schule für meine Kinder ist, hatte ich nie. Jedoch war ich in großer Sorge, als die Erstlingskinder ihren Abschluss machten. In dieser Zeit hatten die Lehrer für mich zu wenig Verantwortung übernommen und die Abschlusskinder nicht gut begleitet. Sabine Starz und der Vorstand haben damals auf meine Sorge und Bitte reagiert und die Situation verbessert. Ab dem zweiten Jahr und mit Einstellung von Andreas Rommel verbesserte sich die Begleitung der Schüler erneut. Meiner Meinung nach werden jetzt die Abschluss-Schüler von den Pädagogen gut begleitet."

  • "Wir hatten nie Zweifel. Ganz im Gegenteil. Wir und voller Dankbarkeit."

  • "Natürlich waren wir immer mal wieder etwas unsicher, an der Richtigkeit der Pädagogik haben wir allerdings nie gezweifelt. Kopfzerbrechen haben uns die Prüfungen bereitet, die ja früher oder später bevorstanden. Diese Bedenken zerstreuten sich erst, als die ersten Jahrgänge ihre Prüfungen so erfolgreich bestanden und auch an den weiterführenden Schulen gut zurecht kamen. Und nun hat auch unser Kind seine Prüfungen gut gemeistert. Unsere Hoffnungen und Wünsche, mit denen wir vor 10 Jahren an die Schule kamen, haben sich erfüllt. Nun sind wir gespannt, an welcher Schule es ab September für Mattia weitergeht. Aber ganz egal, ob Claude-Dornier-Schule oder FOS, nach den 10 Jahren FSL wird unsere Tochter dafür gut gerüstet sein."

  • "Zweifel anderer Form kamen auf, wenn Menschen innerhalb der Schulgemeinschaft nicht von ihrem individuellen Interesse abrücken konnten, das dem eigentlichen Schulgesamtinteresse deutlich entgegenstand. Wenn Menschen, ob im Team, ob in den Gremien, ob in der Elternschaft nicht in der Lage schienen, rechtzeitig, verlässlich und achtungsvoll miteinander zu kommunizieren, dadurch immer wieder viel Zeit und Energie auf ein vertrauensvolles Miteinander verwendet werden musste. Schwierig waren die zeitweise ständigen, vor allem plötzlichen Veränderungen im Team, in der Schulleitung, somit in pädagogischen Grundhaltungen und Umsetzung. Es gab eine Zeit, in der nach dem Motto erlebt wurde: es gibt nichts Sicheres außer die Veränderung. Geholfen hat uns das Miteinander im ehrenamtlichen Einsatz, somit der Kontakt und die Gespräche, aber auch die Tatsache, dass mit persönlichem Einsatz vieles auf den Weg gebracht werden kann. Dadurch entstand im Laufe der Zeit eine Kontinuität  unter den Lehrern, der Schulleitung, der Eltern- und somit Schülerschaft, was wir als äußerst wohltuend erlebten. Vor allem hat uns aber immer wieder unsere Tochter über eigene Zweifel hinweggetragen, denn sie war die meiste Zeit im Reinen mit der Schule. Wir möchten an dieser Stelle den Gründereltern noch einmal danken für ihre Idee und den Mut der Umsetzung. Auch allen Pädagogen und Pädagoginnen, die sich ganz bewusst für diese Form der Schule entschieden haben, dadurch auf so manche staatliche Annehmlichkeit verzichten - was nicht selbstverständlich ist. Wünschen möchten wir der Schulgemeinschaft, dass die Überlastung, die man immer wieder an so manchen Stellen spürt reduziert werden kann, dass es gemeinsam gelingt, das Essentielle vom Unwichtigen oder nicht Machbaren zu unterscheiden und der Mut entsteht, Prioritäten in dieser Vielfalt zu setzen anstelle in eine Beliebigkeit zu verfallen. Und, dass auch die nächste Generation an Eltern, Schülern und Teammitgliedern spürt, wie wertvoll diese Art der Schule ist, und bereit ist, sich zum Wohle aller einzusetzen.""

  • "Bewegt werde wir diese Schule verlassen und Dankbar, dass wir nach 5 Jungs nochmal die Chance bekamen ein Kind so durch eine Schule begleiten zu dürfen."

  • "Ich hatte nie Zweifel."

  • "In der kurzen Zeit gab es keine Zweifel. Für mich ein Abschied mit Wehmut und Dankbarkeit."

  • "Es gab unzählige Momente des Zweifels, Richtungskämpfe zwischen den Pädagogen wie zwischen den Eltern, zuviel Freiheit versus zu wenig Freiheit, Zuviel Struktur - zu wenig Struktur, ungeeignete oder besser überforderte Pädagogen, finanzielle Unsicherheit, Getragen haben immer nur Gespräche mit Leuten welche sich für die Idee also für die Sache eingesetzt haben, Schulleitung , Vorstände, Elternrat, Eltern in den verschiedenen Gremien welche dort viel viel mehr geleistet haben als nur Ihre 40 Stunden abzuleisten. Eltern denen diese Schule eine Verpflichtung war, weil sie von der Idee begeistert waren Ihren und anderen Kindern eine tolle Schulzeit zu ermöglichen trotz aller Widrigkeiten von Außen und Innen."

  • "Es gab unzählige Situationen, in denen unser Durchhaltevermögen gefragt war. Immer wieder gab es Umbrüche, Veränderungen, Streitigkeiten, sowie eine mehr oder weniger große Fluktuation unter Schülern und Pädagogen und dadurch immer wieder neue Menschen, mit denen man zurechtkommen musste. Schwer war es auszuhalten, wenn andere Eltern oder auch neue Pädagogen wieder einmal das Konzept misstrauend in Frage gestellt haben und entweder gleich ganz viel verändern wollten oder schlicht am falschen Platz waren mit ihrer Fähigkeit, dieses Konzept zu leben."

  • "Auch wir hatten für den Namen „Freie Schule“ gestimmt. Gemeint war damit eine Schule in freier Trägerschaft ohne die Einengung durch staatlich vorgegebene Methoden. Leider wurde dieser Name unserer Meinung nach allzu häufig als „frei“ im Sinne von „Freiheit der Kinder, tun und lassen zu können, was sie wollen“ fehlinterpretiert. Auf der anderen Seite wurde immer wieder von Eltern- und Pädagogenseite eine Abkehr von der Reformpädagogik hin zur Regelschulpädagogik angestrebt. Wir denken, eine Schule wie die FSL braucht einerseits eine klare Struktur, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit für sich selbst und muss genau diese Werte auch den Schülern vermitteln und sie von ihnen verlangen. Andererseits muss die Kreativität und Selbstständigkeit der Schüler gefördert werden. An einem einfachen Beispiel lässt sich erklären, wie das gemeint ist: Wenn die Schüler zum kreativen Fotoworkshop die Batterien ihrer Kameras nicht geladen haben oder keine Speicherkarte eingepackt haben (Struktur) ist es nicht möglich, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Genau so verhält es sich mit Mäppchen, Ordnern, Einmaleins oder geübter Stiftführung etc. Diese Grundvoraussetzungen müssen in unserem Verständnis verbindlich vorhanden sein und funktionieren, um die Freiheit zu kreieren, in der es erst möglich wird, etwas zu erreichen und sich als selbstwirksam erleben zu können - erst recht in einer reformpädagogischen Schule, wenn sie nicht antiautoritär in Beliebigkeit versinken möchte.
    Gestört hat uns öfter, dass aus unserer Sicht zu wenig vertiefend oder auch konsequent gearbeitet wurde. Gefreut hätten wir uns, wenn die Eigenverantwortlichkeit der Schüler mehr gefordert worden wäre, anstatt so viele erlebnispädagogische Aktionen zu veranstalten, die nicht aus der Eigeninitiative der Schüler entsprungen sind. Hier würden wir uns ein „weniger ist mehr“ wünschen, damit in der Leere, aus der Langeweile, aus der Muße heraus echte Eigeninitiative und damit echtes Lernen entstehen kann. Wir finden es auch oft unangebracht, dass die FSL sich für manche Dinge selbst so sehr lobt. Nicht Worte, sondern Taten und Ergebnisse sollten für uns sprechen.
    Geholfen hat uns bei aller Kritik und mancher Unzufriedenheit, dass wir es schlicht nie in Erwägung gezogen haben die Schule zu verlassen. Wir sind beständig dabei geblieben und wollten unseren Kindern damit auch vermitteln, dass man nicht vorschnell aufgeben sollte, wenn es mal schwierig wird. Wir haben immer wieder das Gespräch mit anderen gesucht, mit Eltern, Pädagogen, mit unseren Kindern. War es mal schwer für unsere Kinder, haben wir sie eher gestärkt oder gefordert, sich damit auseinanderzusetzen. Wir haben aber auch die Erziehungspartnerschaft zwischen uns Eltern und den Pädagogen ernstgenommen und uns zusammengesetzt. Und nicht zuletzt war es für uns besonders wichtig, auf uns selbst zu schauen und uns zu fragen, welchen Anteil wir an den aktuellen Schwierigkeiten haben, wo wir uns zu Wort melden müssen und wo es angebracht ist, die Verantwortung abzugeben und zu vertrauen, ohne sich einzumischen."