| Artikel in der Lindauer Zeitung |
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Der Weg ist frei: Freie Schule bietet nun auch M-Zweig Mai 2010 |
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LINDAU (ee) Sie ist 2005 als Projekt gestartet. Jetzt ist sie viele Schritte weiter: Die Freie Schule Lindau (FSL) darf nicht nur bis zum Hauptschulabschluss unterrichten, sondern ab September ihren Siebtklässlern auch einen M-Zweig anbieten. Damit steht den Jugendlichen dann später beispielsweise der Weg in die Fachoberschule offen. Prüfungen zu bestehen, das ist für die Freie Schule inzwischen Alltag. Im Sommer 2007 hat die Regierung von Schwaben die FSL nach ihren ersten zwei Jahren als „staatliche Grundschule in freier Trägerschaft“ anerkannt. Ein Jahr später ist die FSL als Hauptschule zugelassen worden. Und nun liegt in der FSL seit wenigen Tagen die Genehmigung für den M-Zweig auf dem Tisch. Darüber freuen sich alle. Die Erlaubnis, dass in vier Jahren die ersten Schüler in der FSL ihren mittleren Bildungsabschluss machen dürfen, ist für Mütter wie Elke Walser und Sylvia Schilling eine wichtige Zukunftsperspektive. FSL-Lehrerin Sandra Bellet, Mitglied im pädagogischen Schulleitungsteam, sieht darin eine Bestätigung für gute pädagogische Arbeit. Wichtig ist Bellet, dass die Kinder dieses M-Zweigs nun nicht in ein „Fächerkorsett“ gezwängt werden: „Das selbstgestaltete Lernen bleibt den Kindern erhalten.“ Natürlich gibt es Pflichtfächer wie Deutsch, Mathematik und Englisch, wobei keiner der FSL-Mitarbeiter und Eltern gerne das Wort Pflicht hört. Vielmehr treffe man mit den Schülern „klare Vereinbarungen“ über die Lernziele, die sie erreichen sollten. Und dann müssen die Kinder, so das Lernkonzept der Freien Schule, sich ihr Wissen erarbeiten. „Das ist aber keineswegs eine Kuschelpädagogik“, widerspricht Sylvia Schilling, deren Zwillinge die Freie Schule besuchen. „Wir schaffen eine Verbindlichkeit, was wir erwarten“, schildert Bellet. „Und auch das ist ein Lernprozess für die Kinder.“ Diese Verbindlichkeit werde als roter Faden auch durch die Sekundarstufe ab der fünften Klasse weitergeführt, so die Pädagogin: „So gesehen, lehnt sich die Freie Schule an das Universitätswesen an anhand des Vorlesungsverzeichnisses muss jeder entscheiden, was er wann für sich lernt.“ Die Frage, ob Zwölfjährige mit einer solchen eigenen Auswahl an Lernstoff nicht überfordert sind, verneinen die Frauen. „Von der ersten Klasse an fördern wir die Talente der Kinder und die wissen sehr schnell, wo ihre Stärken liegen“, so Bellet. „Und wir haben durchaus auch Kinder, die nie mehr lernen als unbedingt notwendig“, fügt sie schmunzelnd an. Ansonsten werde natürlich die FSL ihren Fächerkanon für den neuen M-Zweig nach dem bayerischen Lehrplan ausrichten, der auch für die Freie Schule verpflichtend ist. Darauf weist Elke Walser, die Vorsitzende des Schulvorstands, hin. Die Freie Schule will dabei im Rahmen einer offenen Nachmittagsbetreuung auch „Vertiefungseinheiten“ anbieten, so dass kein Schüler Angst haben müsse, den Stoff nicht zu beherrschen. Wichtig ist der FSL im M-Zweig der sprachliche Bereich: „Wir haben ja in unserem Schulkonzept die Schwerpunkte Sprache und Theater“, darauf verweist Sandra Bellet. Und so werde die FSL den Schülern im M-Zweig ab September eine zweite Fremdsprache anbieten. Ob das Französisch oder Spanisch ist, das steht noch nicht endgültig fest. Unterrichten werden Fachlehrer, „die zu uns ins Haus kommen“. Und Fachleute von außerhalb werden im Sommer 2014 auch in die FSL kommen wenn dann die ersten Abschlussprüfungen für den mittleren Bildungsabschluss an der Freien Schule anstehen. Dann müssen die Jugendlichen zeigen, ob sie sich nach den pädagogischen Richtlinien ihrer Schule selbstgesteuert all das Wissen angeeignet haben, dass ihre Alterskollegen in den Regelschulen auch über die Jahre hinweg gepaukt haben. Denn die Prüfungsfragen werden für alle M-Zweig-Absolventen bayernweit gleich sein. INFO: Derzeit läuft in der FSL die Anmeldung für die Einschulung im Herbst. Diese Eltern, aber auch die Väter und Mütter von Quereinsteigern können sich bis Ende Mai anmelden. Auf einen Blick Manche FSL-Kinder wechseln auch ins Gymnasium Rund 120 Kinder besuchen zur Zeit die Freie Schule Lindau in der ersten bis sechsten Klasse. Doch nicht alle Buben und Mädchen bleiben die ganze Schulzeit über in der FSL: „Ungefähr zehn Kinder“ sind nach den Worten von Lehrerin Sandra Bellet in den vergangenen beiden Jahren nach der vierten Klasse in ein Gymnasium gewechselt. Trotz der völlig anderen Pädagogik und Lerntechnik kommen die ehemaligen FSL-Schüler in ihrer neuen Umgebung gut zurecht, hat Bellet erfahren. Wobei sie mit einem Schmunzeln ergänzt: „Ich habe schon mehrfach gehört, dass die Kollegen in den Gymnasien unsere Kinder als anstrengend beschreiben weil sie immer nachfragen, Lehrstoff nicht einfach schlucken und gewohnt sind, mitzubestimmen“. Oft würden die FSL-Kinder aber auch als „Bereicherung“ für den Unterricht betrachtet. In Richtung Abitur weiterzugehen, wäre auch ein möglicher weiterer Schritt für die Freie Schule Lindau. Doch da hält sich die Pädagogin Sandra Bellet derzeit noch zurück. „Dafür sind wir zu klein.“ Sie hat sich aber durchaus schon umgesehen und gehört. In München beispielsweise hätten sich sieben freie Schulen zur „Montessori-Oberschule“, kurz MOS, zusammengeschlossen: „Die bieten nach der zehnten Klasse einen Zweig an, der sich am Lehrplan der bayerischen Fachoberschulen orientiert“, hat Bellet erfahren. Das bedeutet unter anderem, dass die Schüler dort nach 13 Schuljahren ihr Abitur machen können und damit dem bayerischen G8 ein Schnippchen schlagen. Sollte die Freie Schule Lindau letztlich dieses Ziel anstreben, dann würde sich ein Verbund in der Region anbieten, so die Idee Bellets: „Wenn wir mit den Kollegen in Wangen, Friedrichshafen und auch Bregenz zusammensetzen, könnte das schon etwas werden.“ (ee) |