Schulleben
Englischer Bilderbuchautor David Melling freut sich
über Lesefest an der Freien Schule Lindau


11.2009

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Zurecht zeigt sich der Autor und Illustrator „delighted and flattered“: denn beim Lesefest der FSL-Schüler für die „Waldkinder“ zum bundesweiten Vorlesetag standen seine Bücher gestern im Mittelpunkt vielfältiger Aktionen.
Schon bei ihrem letzten Vorlesetreffen im Sommer waren sich die Kinder in ihrer Begeisterung für den britischen Kinderbuchautor einig. Und so nutzten sie den „bundesweiten Vorlesetag“, den die Waldkinder schon seit Jahren feiern, für ein „David-Melling-Lesefest“: im Zentrum standen das „Knopfkino“ zum Buch „Der Eisprinz“, das selbst erarbeitete Bilderbuchkino zu den „Wilden Strolchen“ und Leserunden zu weiteren Melling-Büchern. Hinzu kamen eine Einführung in die Entstehung eines Buchs (von David Melling) und eine von der BuchInsel unterstützte Bastelaktion, die zum Weiterlesen animieren soll. Zu ihr hat Melling spontan begeistert einen kindgerechten Leitfaden fürs Gnom-Zeichnen beigesteuert.
.„Vorlesen braucht Vorbilder“ lautet das Motto des diesjährigen bundesweiten Vorlesetages, der Begeisterung für das Lesen und Vorlesen weitergeben (und für die bildungspolitische Bedeutung des Themas sensibilisieren) will. Für die Lindauer Aktion zum Vorlesetag erfüllt sich dieses Motto so auf ganz eigene Weise.



Die Wilden Strolche
Ein Bilderbuchkino der Biber-Gruppe
Till
Es ist immer die gleiche alte Geschichte.
Wölfe sind fies, faul und gemein.
Sie heulen, sie jagen und sie bringen alles durcheinander.
Wir wissen alles über große böse Wölfe und ihre unangenehmen Manieren…
Oder etwa nicht ?
Rafael:
Es war Vollmond und die wilden Strolche waren spät dran, wieder einmal.
Die anderen Tiere waren früh gekommen und hatten ihre schönsten Sachen angezogen.
Aber nun tippte der Fotograf auf seine Uhr.
Lili (Fuchs)
„Wir können nicht länger warten sonst ist unser wunderbares silbernes Licht verschwunden und das Bild wird nichts“
Rafael
Er spähte ein letztes Mal durch die Linse.
Lili (Fuchs)
„Uns jetzt sagt alle bitte KIKERIII“
Alle
„KIKERIII“
Geräusche: Trommeln
WUMM BUMM KRACH
Till
Die Wölfe rumpelten in die Kamera, in den Fotografen und in die anderen Tiere.
Lili (Fuchs) schreit:
„Ihr räudigen Trottel“
Alle Tiere maulen
„Typisch Wölfe“
Rafael:
Am nächsten Morgen trafen sich die Tiere, um das Foto anzuschauen. Sie waren so sauer, dass sei beschlossen, die Wölfe nicht zum Frühstück einzuladen.
Lissi (Elch)
„Sie verderben einem einfach alles“
Sarah (Bär)
„Stimmt, Sie schmeißen immer mit dem Essen herum und knabbern an den Servietten.“
Alina (Schwein)
„Letzte Woche habe ich beim Abendessen neben einem Wolf gesessen“, „Er hat so gemüffelt, dass ich meinen Nachtisch nicht essen konnte!“
Till
Inzwischen lungerten die Wölfe zu Hause herum.
Schmuddel, der Boss der wilden Strolche, klopfte sich auf den Bauch.
Emma (Wolf Schmuddel):
„Ich habe Hunger. Wann gibt`s Frühstück?“
Lissi (Wolf Schmalzohr):
„Weiß nicht“, sagte Schmalzohr, „aber ich kann`s riechen!“
Till:
Die Wölfe wedelten mit ihren räudigen Schwänzen, schnupperten mit zuckenden Nasen und folgten dem köstlichen Geruch.
Aber als sie ankamen, waren die anderen Tiere schon fertig.
Rafael:
Alle hatten das Frühstück ohne die Wölfe so genossen, dass sie beschlossen, sie zu keinem einzigen Essen mehr einzuladen.
Und auch nicht zum Spielen.
Und nicht zum Geschichtenerzählen.
Bald wurden die wilden Strolche überhaupt nicht mehr eingeladen. Anfangs war ihnen das egal, sei machten einfach all das, was Wölfe gerne taten…
Aber Tierleiter-Spielen war nicht dasselbe ohne Bären-Treppe.
Und wie kann man Rupf-den-Elch ohne Federn spielen?
Emma (Wolf Schmuddel)
„Wir müssen einfach allen beweisen, dass wir gar nicht so schlimm sind“
Lili (Wolf Krumpel):
„Ja, niemand kennt unsere kuscheligen und knuddeligen Seiten.“
Lissi (Wolf Wuschel)
„Vielleicht wenn wir bessere Manieren hätten“
Annika (Wolf Fussel)
„Aber wir haben doch überhaupt keine Manieren“
Till:
Yojo schnüffelte an seiner Achselhöhle.
Annika (Wolf Yoyo)
„Wir könnten ja mal baden.“
Alina (Wolf Masche)
„Und ich könnte uns ein paar hübsche Klamotten machen“, sagte Masche.
Till
Schmuddel richtete sich auf.
Emma (Wolf Schmuddel):
„Ich hab`s. Wir gehen in die Stadt, laufen den anderen Tieren hinterher und machen ihnen alles nach. Dann müssen sie uns doch mögen.“
Till
Also schnüffelten und spionierten die wilden Strolche den ganzen Tag herum und beobachteten alles ganz genau.
Einer guckte aus der Mülltonne dem Schwein beim Bügeln zu.
Einer klammerte sich am Dach fest und schaute Schwein und Schaf beim Kaffee trinken zu.
Zwei kleine Wölfe schauten durch ein Fenster.
Noch ein kleiner Wolf wurde durch ein Fenster mit einer Schnur gelassen und schaute drei Gänsen beim Tisch abräumen zu.
Eine kleine Wölfin steckte in einem Pullover auf der Wäscheleine und schaute einem Bär beim Zähne putzen zu.
Ein größerer Wolf verkleidete sich als Busch und schaute zu, wie ein Bär seinen Hut hob und ihn freundlich begrüßte.
Till:
Und jede Nacht übten sie bis zum Umfallen.
Rafael:
Es dauerte nicht lange, da wusste fast jeder Wolf, was man
mit einem Taschentuch tat,
mit einer Zahnbürste
und mit einem Kamm.
Und einige von ihnen konnten sich sogar schon manierlich anziehen und bitte und danke sagen.
Till:
Und dann kam der Tag, an dem die wilden Strolche beschlossen, die anderen Tiere zu besuchen und ihnen zu zeigen wie angenehm Wölfe sein konnten.
Die Tiere waren entzückt, als sie die vierzehn manierlichen und gewaschenen Besucher sahen. Ihre Kleider strahlten geradezu vor Sauberkeit.
Sie erkannten die wilden Strolche nicht und luden die Besucher zum Essen ein.
Aber kaum wurde die Suppe serviert, begann der Ärger.
Rafael:
Fussel beugte sich zu einem der Schweine und lächelte süß.
Annika (Fussel):
„Entschuldige“ sagte er, „könntest du bitte deine Suppe nicht so schlürfen, ich bekomme sonst Blähungen. Vielen tausend Dank!“
Rafael:
Und das war noch nicht alles. Die Wölfe kontrollierten, ob auch alle Tiere ihre Hände, ihre Pfoten, ihre Hufe und ihre Klauen gewaschen hatten.
Sie sagten den Gänsen, dass man nicht mit vollem Schnabel quakt und eine Bärenfamilie und sagten ihnen, dass man nicht vom Tisch aufsteht, bevor alle mit dem Essen fertig sind.
Till:
Die Tiere hatten bald die Nase voll von diesen pingeligen und komischen Gästen. Auf einmal merkten sie, wie sehr sie die wilden Strolche vermissten.
Sarah (Bär):
„Natürlich sind die Wölfe laut“, flüsterten sie. „Aber sie sind wenigstens lustig, und sie lassen es sich gut gehen, ohne dass sie dauernd allen anderen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.“
Till:
Über ihnen ging der Mond auf. Der Vollmond.
Xylophongeräusch
Rafael
Und die Wölfe wurden kribbelig – sie machten ihre Anziehsachen auf. Sie fingen an sich jucken und zu kratzen.
Struppi stützte sich mit den Ellenbogen in ein Butterbrot – mit Absicht.
Fussel kicherte.
Annika (Fussel) kichert)
Rafael
Krümel zwickte Yojo in den Zeh.
Annika (Yojo):
Aua
Rafael
Schmalzohr zermatschte Erbsen auf Schmuddels Nase.
Wunschels Schwanz wedelte durch die Luft und Masche biss hinein. Wuschel schrie auf
Lissi (Wuschel):
Auaaa.
Krumpel jaulte.
Lili (Krumpel) jault
Sie jauuuuuulten alle.
Alle Wölfe Jaulen
Alle:
„Die wilden Strolche!“
Till:
Eine Minute lang waren alle wie erstarrt. Dann räusperte sich Schmuddel.
Emma (Schmuddel):
„Möchte vielleicht jemand ein Butterbrot?“
Alle anderen Tiere
„Ja, bitte!“,
Till:
sagten die anderen und stürzten sich auf das Essen.
Die Tiere hatten so viel Spaß, das sie ganz vergaßen, sauer auf die Wölfe zu sein. Und die Wölfe vergaßen … nun, alles!
Der Fotograf lächelte und baute seine Kamera auf.
Lili (Fuchs):
„Seid ihr so weit?“
Alle:
„Kikeriiii!“